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Kirche und Kino: Dr. Mabuse im Historischen Archiv

Anfang des vorigen Jahrhunderts steckte das Kino gerade in seinen Kinderschuhen. Filme wurden als Attraktion auf Jahrmärkten und Wanderkinos vorgeführt. Viele Menschen standen dem neuen Medium wenn auch neugierig, so doch noch sehr skeptisch gegenüber. Doch ständig steigende Besucherzahlen bei den Filmvorführungen und auch die rasante technische Entwicklung des Films führten schließlich zu einem Siegeszug der „Kinematographie“.


Auch die Kirche als gesellschaftliche Institution setzte sich mit dem Medium Film auseinander. Nach anfänglich ablehnender Haltung erkannte man schnell, dass der Film nicht nur Unterhaltung, sondern auch ein Bildungs- und Erziehungsmittel sein konnte.


Es entstanden verschiedene kirchliche Unternehmungen wie Film-Fachzeitschriften, Filmverleihe und verschiedene Produktionsfirmen, die bekanntesten unter Ihnen sind vielleicht die Stella Maris Film GmbH und die Leo-Film GmbH. Neben diesen zumeist kommerziell orientierten katholischen Filmproduktionsfirmen entwickelte sich aber auch ein reges Pfarr- und Vereinskinowesen, welches rasch an Bedeutung gewann. Nicht mehr der Jahrmarkt, sondern der Pfarrsaal oder auch die Kirche waren der Platz, wo die Katholiken Filme anschauen konnten (und sollten!). Für die Versorgung der Pfarreien mit Filmen, meist religiöser Art, war nun der eigens gegründete Katholische Lichtspielverband zuständig.


Mit dem Nationalsozialismus kam aber bald das faktische Ende: alle kath. Filmproduktionen mussten nun – wie auch alle anderen – der Prüfstelle der Reichsfilmkammer zur Nachzensur vorgeführt werden. Nur einige wenige Schätze des Historischen Archivs geben Zeugnis von dieser Zeit. So beispielsweise das seltene Originalplakat zu dem Film „Das Testament des Dr. Mabuse“ von 1932/33. Der berühmte Regisseur Fritz Lang erzählt in dem Film die Geschichte eines geistesgestörten Verbrechers, welcher mittels telepathischer Fähigkeiten die Menschen manipuliert und für Angst und Chaos sorgt. In Deutschland wurde der Film sofort von den Nationalsozialisten verboten. Zu groß waren die Anspielungen des geistesgestörten, Menschen vernichtenden Dr. Mabuse auf Adolf Hitler. Es gelang jedoch, Kopien ins Ausland zu schmuggeln, und der Film wurde dort ein großer Erfolg. Zu einer deutschen Erstaufführung kam es erst 1951.

 

Stefan Plettendorff