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Das geht auf (k)eine Kuhhaut: Eine 900 Jahre alte Urkunde des Kölner Erzbischofs

In insgesamt 40 Folgen erhielten die Leser der Kirchenzeitung während der vergangenen drei Jahre in der Serie „Schätze des Archivs“ einen Einblick in die insgesamt mehr als 6 laufenden Regalkilometern Unterlagen, die sich im Historischen Archiv des Erzbistums befinden und das Gedächtnis der Kölner Kirche ausmachen. Zeitlich wurde dabei ein Bogen über 800 Jahre gespannt, räumlich ging es weit über das Erzbistum hinaus bis ins Heilige Land, und inhaltlich standen nicht nur Themen der regi-onalen Kirchengeschichte, sondern ebenso der politischen Geschichte, von Kunst und Kultur sowie mitunter Kurioses oder Erheiterndes im Mittelpunkt.


Zum Abschluss dieser Serie geht es noch einmal an die Anfänge der schriftlichen Überlieferung zur abendländischen Geschichte. Vorgestellt wird nicht die älteste Ur-kunde des Historischen Archivs – sie stammt aus dem Jahre 942 –, sondern ein Dokument von 1109. Mit der hier abgebildeten Urkunde übertrug der Kölner Erzbischof Friedrich von Schwarzenburg dem Stift St. Severin umfangreiche Schenkungen. Der große Quellenwert dieses Dokumentes liegt u. a. darin, dass die Orte Lindlar, Gummersbach und Brühl-Schwadorf erstmals schriftlich erwähnt werden. Unter den 29 namentlich aufgeführten Zeugen befinden sich hohe Kleriker und Adelige wie die Grafen von Geldern, Jülich und Isenburg.


Doch auch rein äußerlich gibt die Urkunde Einblicke in eine recht frühe Stufe von schriftlicher Verwaltung. Wie viele mittelalterliche Urkunden beginnt der Text mit einer – hier allerdings doppelten – Anrufung Gottes: dem Kreuz sowie dem in verlän-gerte Schrift ausgeführten „In nomine sancte et individue Trinitatis“ (Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit). Die Feierlichkeit, mit der ein solches Rechts-geschäft getätigt wurde, erhielt fast einen sakralen Charakter. Dagegen ist die äußere Form des Dokumentes archaisch. So war das (leider verlorene) Siegel nur recht einfach befestigt gewesen: Man hatte das Pergament eingeschnitten sowie von vorne und hinten weiches Wachs aufgedrückt, welches sich im Bereich des Einschnittes mitei-nander verband. Das Pergamentblatt, gewonnen aus Tierhaut, ist an drei Seiten beschnitten, während die vierte Seite unregelmäßig ausgebildet ist – mehr ging nicht auf die sprichwörtliche „Kuhhaut“. Der Urkundentext hätte also nicht länger sein dürfen, und in den letzten Zeilen musste der Schreiber den Zeilenabstand auch erkennbar verringern, um überhaupt noch genügend Platz für das Siegel zu haben.


Joachim Oepen