Erzbistum Köln - Diözesanpastoralrat - Pastoraler Zukunftsweg

30. Juni 2018 (pek180630-he)

Diözesanpastoralrat: Nächste Etappe des Pastoralen Zukunftswegs

Der Diözesanpastoralrat hat bei seiner Tagung am 29. und 30. Juni in Bensberg entscheidende Weichenstellungen für den Pastoralen Zukunftsweg beraten, die die nächste Etappe auf diesem Weg bestimmen werden. In fünf Arbeitsfeldern werden in den nächsten Monaten Themenbereiche im Erzbistum Köln wie Kirche vor Ort, Vertrauensarbeit, Aus- und Weiterbildung, Kommunikation und Effizienz erarbeitet. Dabei sollen sich in fünf Arbeitsgruppen möglichst viele Kirchenmitglieder aus Gemeinden, Verbänden, Gremien und kirchlichen Einrichtungen beteiligen. Die jeweiligen Ergebnisse werden in den künftigen Sitzungen des Diözesanpastoralrats vorgestellt und beraten. In den kommenden beiden Jahren sollen bereits erste Maßnahmen umgesetzt werden.

In den Arbeitsfeldern wird darüber beraten, welche Fragen sich der Kirche von Köln auf den verschiedenen Themenfeldern ihres gegenwärtigen Kirche-Seins stellen. Die Fragen lauten etwa: Wie lässt sich flächendeckend eine gemeinsame geistliche Kultur anregen und unterstützen? Wo sollten wir in der Pastoral Neues versuchen? Wie lassen sich kirchliche Einrichtungen - von der Kita bis zum Seniorenheim - zu Glaubensorten transformieren, und wie können diese Orte miteinander vernetzt werden? Wie reagieren wir konstruktiv auf die schwindenden Personalressourcen? Weitere Fragen gelten etwa Wegen geteilter Verantwortung und eines gelingenden Dialogs, den Erfordernissen an Aus- und Fortbildung oder einer der kirchlichen Sendung entsprechenden Verwaltung. Zukunftsweisende Antworten darauf, zurzeit vielleicht erst in Umrissen erkennbar, werden sich zunehmend erschließen, je weiter es auf dem Zukunftsweg vorangeht.

„Mich ermutigt“, resümierte Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, „dass so viele Menschen das Vertrauen haben, dass wir miteinander die Zukunft gestalten können und Christus uns dabei begleitet. Deshalb müssen wir uns davor nicht fürchten. Viele schauen trotz der Herausforderungen zuversichtlich in die Zukunft - engagierte Christen in unseren Gemeinden ebenso wie Mitarbeitende in der Seelsorge oder im Generalvikariat. Entscheidend ist auf dem Weg zu bleiben, Gott entgegen.“ Diese Hoffnung habe sich in vielen Beiträgen auf der Klausur ausgedrückt. „Pastoraler Zukunftsweg ist deshalb ein ‚Arbeitstitel‘ im besten Sinne: Ärmel hoch und anpacken.“

Die konkrete Beteiligung sowie die inhaltliche und praktische Ausgestaltung, wie die Ergebnisse erarbeitet werden, wird bis zur nächsten Sitzung des Diözesanpastoralrats im November in den Arbeitsgruppen und einem Projektteam erarbeitet, dem unter Leitung von Generalvikar Markus Hofmann die fünf Arbeitsgruppenleiter angehören.

  • Das Arbeitsfeld 1 „(Geistlicher) Kulturwandel, Vertrauensarbeit“ leitet Pfarrer Franz Meurer, Köln;
  • das Arbeitsfeld 2 „Kirche (in ihrer ganzen Breite) vor Ort“ Kreisdechant Norbert Hörter, Bergisch Gladbach.
  • Unter Leitung von Pastoralreferent Dr. Werner Kleine, Wuppertal, befasst sich Arbeitsfeld 3 mit „Kommunikation, Dialog, Öffentlichkeit“.
  • Das Arbeitsfeld 4 „Ausbildung, Kompetenzerweiterung“ wird geleitet von Pastoralreferentin Irmgard Conin, Köln;
  • schließlich Arbeitsfeld 5 „Effizienz und Nachhaltigkeit“ von Dr. Mechthild König, Bergisch Gladbach, Unternehmensberaterin und Mitglied im Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat.

Bestandsaufnahme und Zukunftsprojektion für das kommende Jahrzehnt

Vorausgegangen war eine aktuelle Bestandsaufnahme der kirchlichen Situation nicht nur im Erzbistum Köln und entsprechende Zukunftsprojektionen für das kommende Jahrzehnt. Wesentliche Kennzahlen — Mitgliederentwicklung, Gottesdienstbesuch, Sakramentenspendung, Priesterweihen — verzeichnen im letzten Vierteljahrhundert permanent Rückgänge. Jahr für Jahr verliert das Erzbistum im Schnitt 17.500 Mitglieder, überwiegend durch mehr Sterbefälle als Taufen. Priester, Diakone sowie Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -Referenten, also das hauptamtliche Seelsorgepersonal, wird sich bis zum Jahr 2030 von heute rund 1.200 Personen um die Hälfte vermindern, davon wird die Mehrzahl 50 Jahre und älter sein. Die Kirchensteuereinnahmen werden bis dahin zwar voraussichtlich noch wachsen, in einigen Jahren aber dennoch von den Ausgaben überholt.

In sehr persönlicher Weise stellte als Gast Pfarrer Thomas Frings aus Münster seine Erfahrungen dar. Aus der Erkenntnis, dass es nicht weitergehen kann wie bisher, gab er 2017 seine Tätigkeit als Pfarrer in einer Münsteraner Kirchengemeinde auf. „Ich musste mir eingestehen: ich verwalte immer nur den Rückzug.“ Selbst beste Absichten und selbstloses Engagement seiner Pastoralteams hätten dies nicht aufhalten können. „Wir sind Zeugen eines zerfallenden Hauses und machen Bestandsschutz“, kritisierte Frings: „Wir bleiben beim Gewohnten und wagen nichts Neues.“ Damit vom Glauben am Ende mehr bleibe als leere Traditionspflege, stelle sich für die Zukunft der Kirche vor allem die Frage, was für die Menschen letztlich Relevanz habe.

Entscheidend wird der erforderliche Wandel

In Beiträgen aus dem Diözesanpastoralrat kam zum Ausdruck, dass neben Ressourcen wie Geld und Personal vor allem der erforderliche Wandel entscheidend ist. Die Herausforderungen seien klar, doch sie würden im Blick auf notwendige Lösungen bei vielen Ratlosigkeit und Verunsicherung auslösen. „Ich frage mich selbst manchmal“, so Kardinal Woelki, „wie es gelingen kann, dies in frei werdende Energie zu verwandeln. Verunsicherung gehört in unserer Situation sicher auch dazu, aber wir müssen gemeinsam eine Vision für unsere Kirche entwickeln, die uns mutig in die Zukunft aufbrechen lässt.“ In einem Meinungsbild wurde sichtbar, dass es nach Einschätzung des Diözesanpastoralrats auch den Wunsch nach mehr konkreten Vorgaben und Hilfestellungen für den Pastoralen Zukunftsweg gibt; eine Mehrheit schloss sich jedoch der zuversichtlichen Aussage an, das Erzbistum verfüge sowohl über die Mitarbeitenden als auch die sonstigen Ressourcen, die Zukunft erfolgreich zu gestalten.

Die Begriffe Pastoral, Zukunft und Weg, so Kardinal Woelki, hätten nicht selbstverständlich etwas miteinander zu tun, zeigten jedoch in ihrer Kombination die Herausforderung an, nämlich - mit dem Heiligen Ignatius gesprochen - „mit liebender Aufmerksamkeit und ehrlichen Herzens auf unser Gestern und unser Heute schauen und lernen, uns nicht länger selbst zu betrügen“. Solche Prozesse seien in anderen Bistümern unter Begriffen wie Zukunftsbild, Pastoralplan oder Erneuerungsprozess in Gang. Der notwendige kritische Blick gelte der Kirche wie der Gesellschaft und offenbare, „was wir sind und auch nicht mehr sind“. Ziel einer solchen selbstkritischen Analyse der Fakten sei, „ mit ihnen umzugehen, und zwar positiv gestimmt: Denn wir dürfen an eine wachsende Kirche glauben, weil Gott selbst es ist, der wachsen lässt. Das aber funktioniert nicht ohne uns, die wir den Samen ausbringen müssen.“ In diesem Sinne bat Woelki das Beratungsgremium um Mitarbeit „mit Herzblut“ in den fünf Arbeitsfeldern.